PRIVATGUTACHTER

Privatgutachter sind Sachverständige, die nicht im gerichtlichen Auftrag Gutachten erstellen.

Es handelt sich hierbei entweder um Experten auf einem bestimmten Gebiet, die im au√üergerichtlichen Bereich arbeiten, oder um eingetragene Gerichtssachverst√§ndige, die neben ihrer T√§tigkeit f√ľr die Gerichte auch f√ľr Privatpersonen und Unternehmen arbeiten.
Privatgutachter k√∂nnen in bestimmten F√§llen auch von Gerichten eingesetzt und daf√ľr vereidigt werden.

Nach Punkt 1.2 der Standesregeln hat der Sachverst√§ndige die mit seinem Eid (¬ß 5 Abs 1 SDG) √ľbernommenen Verpflichtungen bei jeder Sachverst√§ndigent√§tigkeit, in wessen Auftrag sie auch immer erfolgt, sorgf√§ltig und gewissenhaft einzuhalten.
Er hat daher sowohl im Verfahren vor den Gerichten und den Verwaltungsbeh√∂rden, aber auch als Privatgutachter die Gegenst√§nde eines Augenscheins sorgf√§ltig zu untersuchen, die gemachten Wahrnehmungen aus Augenschein und Aktenlage treu und vollst√§ndig anzugeben und den Befund und das Gutachten nach bestem Wissen und Gewissen und nach den Regeln der Wissenschaft, der Kunst, der Technik, des Gewerbes oder seines Fachgebiets abzugeben. Wie Punkt 3.1 nochmals hervorhebt, sind daher die im Sachverst√§ndigeneid √ľbernommenen Verpflichtungen auch bei der Erstattung von Privatgutachten einzuhalten.

Bei allen Privatgutachten hat der Sachverst√§ndige seinen Auftraggeber anzuf√ľhren oder zumindest einen ausdr√ľcklichen Hinweis in sein Gutachten aufzunehmen, dass er den Auftrag f√ľr dieses Gutachten von privater Seite erhalten hat.

Diese grunds√§tzliche Gleichstellung der bei Gerichts- und Privatgutachten zu beobachtenden Pflichten erfordert es, sowohl die Bezeichnung als allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierter Sachverst√§ndige als auch die Verwendung des Siegels auch f√ľr Privatgutachten zuzulassen.

RUNDSIEGEL

Nach ¬ß 8 Abs 5 Sachverst√§ndigen-und Dolmetschergesetz (SDG) hat der allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverst√§ndige bei der Unterfertigung schriftlicher Gutachten ein Rundsiegel zu verwenden, das seinen Namen und seine Eigenschaft bezeichnet. Das Gesetz unterscheidet in diesem Zusammenhang nicht zwischen Gerichtsgutachten und Privatgutachten. Der Grund daf√ľr liegt darin, dass das Siegel ganz allgemein der deutlichen Kennzeichnung von schriftlichen Gutachten f√ľr Gerichtsverfahren, aber auch von im Rechtsverkehr zu verwendenden Privatgutachten dienen soll, was eine Ma√ünahme der Qualit√§tssicherung darstellt (Krammer/Schmidt, SDG-GebAG, 3.Aufl, Anm 9 zu ¬ß 8 SDG). Aus ¬ß 8 Abs 5 SDG ist daher nicht ein Verbot, sondern im Gegenteil sogar die gesetzliche Anordnung, das Siegel bei Unterfertigung von Privatgutachten zu verwenden, abzuleiten.