BRILLANT & Co.

Der Weg eines Diamanten von den Tiefen der Erde bis zur Auslage eines Goldschmieds oder Juweliers ist lang.

Als Rohdiamant meist unansehnlich, mir rauer Oberfläche und gläsernem Aussehen, bringt ihn erst die Kunst des Steinschleifers zu Funkeln.

Es dauerte bis ins 15. Jh. einen Weg zu finden, um Diamanten –das härteste Mineral- bearbeiten zu können. Seit dieser Zeit findet eine kontinuierliche Entwicklung der Schleifkunst statt, zum Zweck den Diamanten zum Funkeln zu bringen.

Erst das einzigartige Zusammenspiel zwischen seinen optischen Eigenschaften und der Fertigkeit des Diamanteurs erweckt das glanzvolle Licht im Steine, das als Brillanz bezeichnet wird.

Das Schleifen des Diamanten ist Wissenschaft und Kunst zugleich. Der heute so gebräuchliche klassische „Brillantschliff“ mit 57-58 Facetten entstand fast 500 Jahre nach der Erkenntnis, dass Diamant nur mit Diamant zu bearbeiten war –und das auch nur aufgrund seiner Härteanisotropie.

Bis in die heutige Zeit ist der Diamantschliff abhängig von der Kristallform des Rohsteines.

 

SPITZSTEIN
Bis ins 14. Jahrhundert verwendete man mangels Schleifmöglichkeiten den Diamant-Oktaeder, einen Rohstein in Form einer Doppelpyramide mit quadratischer Grundfläche, als so genannten „Spitzstein“ im Schmuck.

DICKSTEIN
Im 15. und 16. Jahrhundert wurde bereits die Oktaederspitze abgespaltet.

Daraus entstand ein Diamant im Tafelschliff, der so genannte „Dickstein“.

ROSENSCHLIFFE
Ab dem 16. Jahrhundert wurden Diamanten mit Facetten versehen, in Form der variantenreichen Rosenschliffe (z.B. Antwerpener Rose, Holländische Rose)

MAZARIN-SCHLIFF
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte sich durch Initiative und Förderung Kardinal Mazarins von Frankreich aus der erste facettierte Schliff für Diamanten mit Ober- und Unterteil (34 Facetten). Dieser Schliff wurde auch „zweifaches Gut“ genannt.

PERUZZI-SCHLIFF
Im 18. Jahrhundert entwickelte der Venezianer Vincenzo Peruzzi einen neuen Diamant-Altschliff, noch in quadratischer Form, aber mit bereits 58 Facetten. Dieser Schliff wurde auch „dreifaches Gut“ genannt.

DIAMANT-ALTSCHLIFFE
Unter dieser Bezeichnung versteht man Diamantschliffe mit 58 Facetten, mit quadratischer, kissenähnlicher oder runder Grundform, die ab dem 19. Jh. bis in die 50er Jahre des 20.Jh. geschliffen wurden.

Einige dieser Schliffe tragen besondere Handelsnamen:

Old Mine Cut:
Dieser Diamant-Altschliff in quadratischer oder kissenähnlicher Form wurde im 19. Jahrhundert geschliffen. Er besaß ebenfalls 58 Facetten, allerdings regelmäßiger angeordnet als beim Peruzzi-Schliff.

Old Euroean-Cut / Englischer Brillant:
Diamant-Altschliff des ausgehenden 19. Jh. und der Jahrhundertwende.
Er zeigt erstmals eine runde Grundform mit 58 Facetten.

DIAMANT-ÜBERGANGSSCHLIFFE
Diese Schliffe wurden in der 1. Hälfte des 20. Jh. in verschiedenen Variationen geschliffen. Kennzeichnend die runde Form mit 58 Facetten.

Sie sind eine Kombination der bis dahin verwendeten Altschliffe mit den neuen Brillantschliffen.

BRILLANTSCHLIFFE
Unter Berücksichtigung der optisch-physikalischen Eigenschaften des Diamanten, wie Lichtbrechung, Dispersion und Härte, lassen sich theoretische Berechnungen anstellen, um durch geeignete Proportionen und Symmetrieverhältnisse eine optimale Brillanz zu erreichen.

Ein BRILLANT ist ein Diamant von runder Grundform mit 57-58 Facetten.

Tolkowsky-Schliff:
1919 veröffentlichte der Antwerpener Mathematiker und Gemmologe Marcel TOLKOWSKY, dessen Familie seit Generationen als Diamantschleifer und Händler tätig war, eine Studie über die „Reflexion und Lichtberechung in einem Diamanten“. Er präsentierte damals den ersten Brillantschliff, der bis heute als „Ideal-Cut“ in Nordamerika Standard ist, da er eine sehr gute Brillanz zeigt.

Ideal-Brillant:
1926 von Johnson und Roesch entwickelt.

Im Gegensatz zu seinem Namen durchaus nicht ideal, da seine Proportionen zu unförmig wirken.

Praktischer Feinschliff:
1938 von Prof. Eppler entwickelt
.
Dieser auf einer großen Anzahl von Proportionsmessungen basierende Schliff ist in Deutschland Grundlage der Graduierung.

Parker-Brillant:
1951 von Prof. Parker entwickelt. Mit einer guten Lichtausbeute, aber wegen eines recht flachen Oberteils mit geringer Farbaufspaltung, was zu einem mangelhaften Farbenspiel (Feuer) führt.

Skandinavischer Standard-Brillant:
Etabliert 1968. Wie der Name vermuten lässt, ist er in Skandinavien die Grundlage zur Graduierung.

 

MODIFIZIERTE BRILLANTSCHLIFFE

Als solche werden Diamantenschliffe bezeichnet, deren Grundform von der runden abweicht, die Facettenart aber jener des Brillanten entspricht (Tafel, Tafelfacetten, obere und untere Hauptfacetten, obere und untere Rundistfacetten, Kalette).

Dazu zählen: Diamant-Oval, Diamant-Herz, Diamant-Tropfen (Pendeloque), Diamant-Marquise, Diamant-Kissen (Cushion).
Schliffe dieser Art sind in vielen Variationen möglich.

VEREINFACHTE DIAMANTSCHLIFFE
Achtkant-Diamant, auch Single Cut genannt, mit je 8 Facetten am Ober- und Unterteil.
Sechzehnkant, auch Swiss-Cut genannt, mit je 16 Facetten am Ober- und Unterteil.

DIAMANT-TREPPENSCHLIFFE
Darunter versteht man Diamantschliffe von eckiger Grundform mit treppenartig abgestuften Facetten,
wie z. B.

Achtkant-Treppenschliff länglich (Emeraldcut)
Achtkant-Treppenschliff quadratisch (Emeraldcut Carré)
Vierkant Treppenschliff länglich (Baguette)
Vierkant-Treppenschliff quadratisch (Carré)
Dreikant-Treppenschliff (Triangel)

DIAMANT-FANTASIESCHLIFFE
Als Fantasieschliffe bezeichnet man alle Schliffformen, die vom Brillantschliff abweichen.

Dazu zählen sowohl modifizierte Brillantschliffe und Treppenschliffe als auch die neuen Fantasieschliffe des 20. und 21. Jh.

Die Facettenanzahl dieser Schliffe kann weit über die 57-58 Facetten des Brillantschliffes hinausgehen.

Dazu zählen:
Prinzess. und Radiantschliff, Trillion, Dahlia, Fire-Rose, Marigold, Sunflower, Zinnia, Gabrielle-Cut, Regent Cut, Lions Cut, Cushette Cut, Lucère Cut, Royal Asscher Cut, Noble Cut, Tycoon Cut, Tiffany-Cut, und viele andere.